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Patientenbrief an der Kühlschranktür

Bericht im Schwäbischen Tagblatt vom 11.08.2005

TÜBINGEN. Wie sieht eine besonders patientenfreundliche und zukunftsorientierte Hausarztpraxis aus? Pfiffige, leicht übertragbare Ideen suchten die Berliner Ärztekammer und die AOK für den Berliner Gesundheitspreis 2004. Als beste Einzelpraxis wurde dabei der Tübinger Südstadt-Arzt Wolfgang Raiser ausgezeichnet.

Wolfgang Raiser ist das, was man früher einen Hausarzt nannte: Allgemeinmediziner. Oder auch, wie er es gerne sehen möchte, „der Arzt von nebenan“. Dabei kennt der in Reutlingen geborene Mediziner viele Facetten des Gesundheitswesens. Nach seinem Abitur lernte er Krankenpfleger und arbeitete an der Psychiatrischen Klinik. Er studierte dann Medizin und war erst in der Chirurgie tätig. Am Kreiskrankenhaus Nagold machte er den Facharzt für Innere Medizin, baute einen eigenen Bereich zur Versorgung von Alkoholabhängigen auf, erarbeitet Kurse zur Raucherentwöhnung, war als Notarzt tätig und leitete schließlich die Intensivstation am Nagolder Krankenhaus.

Seine Biographie hat ihn also bestens präpariert für den Hausarzt-Beruf, den er 2001 wählte. Er sei Generalist, sagt Raiser. Als Arzt will er „Wissen verknüpfen und das Ganze erfassen“.

Weil er sich darüber hinaus noch Gedanken gemacht hat, wie er seine Praxis besonders patientenfreundlich gestalten kann, wurde Raiser in Berlin kürzlich mit einem Preis ausgezeichnet, den die Ärztekammer und die AOK verliehen haben. Insgesamt belegte er den siebten Platz und war damit die bestplatzierte Einzelpraxis. Gelobt wurde dort unter anderem Raisers Bestreben, nicht nur Kranke zu behandeln, sondern den Patienten dabei zu helfen, gesund zu bleiben. „Salutogenese“ heißt das Stichwort: „die langfristige Sicherung von Wohlbefinden und Gesundheit im Alltag“. So beschreibt es Raiser in einem seiner Patientenbriefe. Diese Briefe erscheinen halbjährlich und sie sind nicht nur Teil seines Praxis-Konzepts sondern auch „eine Art Hobby“, wie Raiser gesteht. Dort schreibt der Arzt zum Beispiel über den Zusammenhang von Limo, Cola und Diabetes: „Eine einzige Cola oder Limonade am Tag reicht schon, um das Diabetesrisiko fast zu verdoppeln und das Körpergewicht jährlich um ein Kilogramm ansteigen zu lassen“, erfährt man zum Beispiel. Raiser gibt Empfehlungen zu Impfungen oder Ernährungstipps, sinniert über Heilkultur oder schreibt über Medizin im Alter. Besonders große Resonanz erhielt Raiser auf den Patientenbrief mit dem Schwerpunktthema „Stress“. Seine „Zwölf Möglichkeiten, sich das Leben leichter zu machen“ hat sich mancher Patient an die Kühlschranktür geheftet.

Besonders gut kam in Berlin an, dass Raiser Kurse zur Raucherentwöhnung anbietet und seine Patienten mit Aktionen zur Gewichtsreduktion motiviert. „1000 Kilo in anderthalb Jahren“ wollte eine Gruppe von 50 Patienten abspecken. Geschafft haben sie immerhin 340 Kilo – fast so viel wie die Pfundskur 2004 in Tübingen zuwege brachte, erzählt Raiser nicht ohne Stolz. Auch bei Schulklassen war er schon eingeladen, um über Pfunde und Ernährung zu sprechen.

Der Berliner Jury gefiel auch, dass Raiser der sprechenden Medizin viel Zeit einräumt. Um die Schwellenängste vieler Patienten im Wortsinn abzubauen, holt Raiser sie persönlich im Wartezimmer ab, begrüßt sie mit Handschlag und lässt im Arzt-Patienten-Gespräch dem Gegenüber erst einmal Zeit, zu reden und an Sicherheit zu gewinnen.

Als besonders patientenfreundlich dürften viele auch empfinden, dass das Praxisteam angehalten ist, den Terminplan „zeitehrlich“ und mit Pufferzeiten zu gestalten. Patienten sollen nicht länger als 15 Minuten warten müssen, sagt Raiser. Und in 80 Prozent der Fälle gelinge dies auch.

(Angelika Bachmann, Schwäbisches Tagblatt)

Weitere Infos zum Berliner Gesundheitspreis der AOK

Praxis
Dr. med. Wolfgang Raiser
Aixer Straße 7
72072 Tübingen
Tel: 07071 - 53 81 55